Internationales Radquer Dagmersellen

Rennbericht  SM 10.01.2016

(pbi.) Was sich in den Tagen zuvor bereits abgezeichnet hatte, wurde am Sonntag Tatsache: Die Radquer-Schweizer-Meisterschaften 2016 in Dagmersellen wurden zu einer äusserst schlammigen Angelegenheit. Nach mehr oder weniger intensiven Regenfällen im Vorfeld, präsentierte sich auch der Renntag selbst von der trüben Seite. Immer wieder fiel Regen. Die Wiesenpassagen auf der Strecke am Chrüzberg glichen schon bald einer grossen Schlammpiste.

Aber weder Athletinnen und Athleten noch echte Radquer-Fans liessen sich von den alles andere als idealen Bedingungen abschrecken. Die Fahrer sorgten auf der Strecke für Spektakel, die Zuschauer für SM-würdige Stimmung. Trychler-Gruppen und Guuggenmusigen heizten zusammen mit den etwa 1800 Zuschauern ein und trieben die Fahrer zu Höchstleistungen. Die Musikgesellschaft Dagmersellen intonierte bei den Siegerehrungen der Elite-Kategorien die Schweizer Hymne.

Winterberg mit Rang 5 zufrieden

Der mit Spannung erwartete Höhepunkt war das Elite-Rennen der Herren. Titelverteidiger Julien Taramarcaz ging als grosser Favorit ins Rennen. Und schon bald wurde klar, dass der Walliser alles unternehmen würde, um seinen vierten Elite-Schweizer-Meister-Titel im Radquer zu gewinnen. Zuerst machte allerdings Lukas Flückiger mit einem Blitzstart auf sich aufmerksam. Der Weltklasse-Mountainbiker setzte sich ein wenig von der Konkurrenz ab. Eine entscheidende Differenz konnte er in dieser frühen Phase des Rennens aber nicht herbeiführen. Dank des schnellen Starts war Flückiger aber – anders etwa als Mitfavorit Simon Zahner – in der ersten Runde nicht in einen Sturz mit mehreren Beteiligten verwickelt. Auch der Roggliswiler Lukas Winterberg musste zu Boden und verlor wichtige Zeit. Es gelang dem Lokalmatador in der ersten Hälfte des Rennens aber immer wieder, den Anschluss an die Spitzenfahrer herzustellen. «Man hat heute von Anfang an gespürt, dass es eine SM ist. Alle wollten so weit vorne wie möglich fahren», meinte Winterberg nach der Zieldurchfahrt.

Als jedoch Taramarcaz vor Rennhälfte erneut attackierte, vermochten ihm nur noch Lars Forster, Lukas Winterberg und Nicola Rohrbach zu folgen. Winterberg dagegen konnte diese im Kampf um die Medaillenplätze vorentscheidende Attacke nicht parieren und verlor den Kontakt. Hinter den vier Besten zeigte der 27-Jährige aber einmal mehr bei seinem Heimrennen eine beeindruckende Leistung. Renommierte Fahrer wie Simon Zahner oder Florian Vogel hielt er im zweiten Teil des Rennens souverän in Schach. Am Ende resultierte für ihn der fünfte Platz. «Mit meiner Leistung und meinem Rang bin ich zufrieden», meinte Winterberg. «Ich habe alles gegeben und alles versucht. Bei der entscheidenden Attacke war ich aber nicht ganz optimal positioniert. In der Folge konnte ich das Loch nicht mehr zufahren.» Vier andere seien am Sonntag einfach stärker gewesen, das gelte es zu akzeptieren.

Mit der SM ist für Lukas Winterberg die Saison aber noch nicht zu Ende. Am Samstag in Lignères-en-Berry und am Samstag in einer Woche in Hoogerheide wird er die letzten beiden Weltcup-Rennen der Saison bestreiten. Sein grosses Ziel sind die Radquer-Weltmeisterschaften Ende Januar im belgischen Zolder. Die Selektionen werden demnächst erfolgen.

Forster bodigt Taramarcaz

Im SM-Rennen vom Sonntag vermochten Julien Taramarcaz und Lars Forster bald einmal Lukas Flückiger und Nicola Rohrbach zu distanzieren. So war schon vor den letzten drei Runden klar, dass der neue Schweizer Meister aus diesem Duo stammen würde. Taramarcaz versuchte immer wieder, sich von Forster zu lösen. Der 22-jährige BMC-Fahrer, der zuletzt hervorragende Resultate erzielt hatte, liess sich aber nicht abschütteln. In der letzten Runde ging Forster dann selbst in die Offensive. Seine technischen Vorteile gegenüber Taramarcaz nutzte er in der anspruchsvollen Abfahrt aus und schaffte die entscheidende Lücke. Auf den verbleibenden Metern bis ins Ziel liess er den Titelverteidiger nicht mehr aufschliessen. «Als wir plötzlich nur noch zu zweit unterwegs waren und ich alle Angriffe von Taramarcaz mitgehen konnte, habe ich gespürt, dass es heute reichen könnte», meinte der neue Schweizer Meister nach dem Rennen überglücklich. Für Forster ist es bereits der sechste Schweizer-Meister-Titel im Radquer. Nach Siegen in sämtlichen Nachwuchskategorien holte er sich bei seinem ersten SM-Start in der Elite-Kategorie auch gleich auf höchstem Niveau den Titel. «Vor fünf oder sechs Wochen hätte ich nicht einmal davon zu träumen gewagt. Doch in den letzten Wochen hat sich meine Form mehr und mehr verbessert. Ich bin überglücklich, dass ich gewinnen konnte», so Forster.

Sprintentscheidung bei den Frauen

Noch knapper als beim Elite-Rennen der Männer fiel die Entscheidung bei den Frauen aus. Titelverteidigerin Sina Frei und Nicole Koller hatten sich schon in der zweiten von sechs Runden von all ihren Konkurrentinnen gelöst und machten den SM-Titel unter sich aus. Die beiden noch nicht 19-Jährigen trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Entscheidend absetzen konnte sich aber keine. So kam es zur Sprintentscheidung um die Goldmedaille. Dabei setzte sich Sina Frei durch und feierte bereits ihren dritten Elite-Titel in Serie. Hinter Frei und Koller fuhr Lise-Marie Henzelin auf den dritten Platz. Neue U17-Schweizer-Meisterin wurde Tina Züger. Sie lag am Ende 20 Sekunden vor Noemi Rüegg. Mit mehr als zwei Minuten Rückstand fuhr Meret Lüthi auf Platz 3.

In der Kategorie U23 feierte Timon Rüegg seinen ersten Radquer-Schweizer-Meister-Titel. Er setzte sich schon relativ früh von seinen Kontrahenten ab und gewann mit 26 Sekunden Vorsprung auf Simon Vitzthum. Der grosse Favorit in dieser Kategorie, Johan Jacobs, konnte nicht seine beste Form abrufen und musste mit dem Bronzeplatz vorliebnehmen. Sven Uhlmann vom VC Pfaffnau-Roggliswil wurde Neunter, Jan Eichenberger aus Pfaffnau belegte Platz 13.

Einen Favoritensieg setzte es in der U19-Kategorie der Männer ab. Kevin Kuhn liess von Anfang an keinen Zweifel an seiner Stärke aufkommen und siegte mit mehr als zwei Minuten Abstand zur Konkurrenz. Silber sicherte sich Mauro Schmid, Bronze ging an Nick Burki. Jérôme Hug aus Willisau (VC Sursee) fuhr auf den elften Platz.

Bei der U17 konnte sich Loris Rouiller als neuer Schweizer Meister feiern lassen. Er setzte sich vor Luca Schätti und Jan Sommer durch. Dani Fellmann vom VC Pfaffnau-Roggliswil belegte in dieser Kategorie den 16. Schlussrang.

In der Kategorie der Jüngsten, bei den Schülern U13/U15, gewann Lars Sommer vor Dario Lillo und Fabian Weiss. Bestes Mädchen war Mélissa Rouiller auf Platz 4.

Heule wie vor zehn Jahren – Silber für Adrian Muri

Den Auftakt hatten am Sonntagmorgen die Masters-Fahrer, also die Athleten über 30 Jahre, gemacht. Dabei war Christian Heule klar der Schnellste. Der Mann, der vor exakt zehn Jahren bei der letzten Radquer-SM in Dagmersellen seinen zweiten von insgesamt sechs Elite-Meistertiteln gewann, wurde nun erstmals auch Masters-Schweizer-Meister.

Hinter Heule, der in der Kategorie 40+ startete, holte sich Jürg Graf die Goldmedaille in der Kategorie 30+. Als Gesamtdritter (respektive als Zweiter in der Kategorie 30+) kam Adrian Muri ins Ziel. Der Fahrer des VC Sursee wohnt seit einigen Monaten in Dagmersellen und wusste den Heimvorteil glänzend zu nutzen. Lange sah es für den 33-Jährigen nach der Bronzemedaille aus. Nach einem Sturz von Yves Corminboeuf kam aber plötzlich die Silbermedaille in Griffweite. «Als mein Betreuer mir auf der letzten Runde zurief, dass Corminboeuf nicht mehr weit vor mir sei, habe ich noch einmal alles aus mir herausgeholt», erklärt Muri nach dem Rennen. Es sollte sich lohnen: Muri schloss zu Corminboeuf auf und in einem packenden Schlussspurt sicherte er sich gar die Silbermedaille. «Ich mag solch schwierige Verhältnisse. Mit Silber bin ich hochzufrieden», meinte Adrian Muri.

Positives Fazit der Veranstalter

Zufrieden zeigten sich auch die Organisatoren vom Veloclub Dagmersellen. «Wegen des schlechten Wetters hatten wir sicher weniger Leute als üblich. Trotzdem sind wir zufrieden», meinte OK-Präsident Wolfgang Kristan unmittelbar nach den Rennen. Das straffe Programm konnte aber eingehalten werden und die Stimmung entlang der Strecke sei trotz anhaltenden Niederschlägen toll gewesen. Mit den Schweizer Meisterschaften anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Dagmerseller Radquers ging auch die OK-Präsidentschaft Kristans zu Ende. Nach sieben Jahre an der Spitze des OKs gibt er sein Amt an Urs Stadelmann ab. Er und das ganze OK werden sich schon bald den Vorbereitungen für das 41. Internationale Radquer von Dagmersellen widmen. Dieses findet dann wie üblich wieder am 26. Dezember statt.

 

 

Rivella AG
DIWISA Distillerie Willisau SA
Hugo Willimann AG
OTTO'S AG