36. Int. Radquer Dagmersellen - 26.12.2011
 

 

> Francis Mourey erneut nicht zu schlagen

> Als Profi im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
> Francis Mourey plant den fünften Streich

> Ehrenstarter-Porträt

> Die Vorfreude steigt schon wieder
 

 

 

Francis Mourey erneut nicht zu schlagen

 

Die Herausforderer von Vorjahressieger Francis Mourey beim Eliterennen des 36. Internationalen Radquers von Dagmersellen waren zahlreich. Und sie liessen nichts unversucht, um den haushohen Favoriten zu stürzen. Genützt hat es nichts. Der Franzose feierte in souveräner Manier seinen fünften Sieg am Chrüzberg. Pirmin Lang schaffte dank seiner Endschnelligkeit den Sprung auf Platz drei.

 

pbi – Es passte einfach alles am letzten Montag: Strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen und das gewohnt begeisterungsfähige Publikum entlang der Strecke. Das Internationale Radquer von Dagmersellen am Stephanstag machte seinem guten Namen einmal mehr alle Ehre. Rund 3500 Zuschauer pilgerten an den Chrüzberg und feuerten die Radquercracks an. Absoluter Höhepunkt war das Rennen der Elite, bei dem über 60 Athleten an den Start gingen. Und das grosse und stark besetzte Feld hielt, was es versprach. Während drei Vierteln der 60-minütigen Renndauer prägte eine zehn Mann starke Spitzengruppe das Geschehen. Mit dabei auch die Gebrüder Pirmin und René Lang.

Enttäuschung für Lukas Winterberg

Der erste der einheimischen Fahrer, der so richtig auf sich aufmerksam machte, war aber Lukas Winterberg. Der Roggliswiler legte einen wahren Blitzstart hin und führte das Feld nach der ersten Runde an. Vieles deutete darauf hin, dass er seine tolle Form aus den Überseerennen auch beim Heimauftritt in Dagmersellen würde ausspielen können. Doch bereits in der zweiten Runde erschien Winterberg nicht mehr in den ersten zehn Positionen. Was war passiert? Ein Defekt sorgte dafür, dass Lukas Winterberg im dichten Feld zahlreiche Ränge einbüsste. Anschliessend fand er seinen Tritt nicht mehr und musste sich schliesslich mit Rang 32 begnügen. Eine herbe Enttäuschung. Unmittelbar hinter seinem Bruder klassierte sich Michael Winterberg. Im Gegensatz zu Lukas zeigte sich Michael Winterberg aufgrund einer stark beeinträchtigen Vorbereitung insgesamt zufrieden mit seinem Auftritt. „Angesichts meiner aktuellen Verfassung konnte ich nicht mehr erwarten.“

 

Mourey attackiert spät aber vehement

Im Kampf um den Tagessieg richteten sich alle Augen auf den bereits vierfachen Chrüzberg-Sieger und Titelverteidiger Francis Mourey. Lange blieb das Rennen aber offen und extrem spannend. Zehn Fahrer, darunter auch Pirmin und René Lang hatten sich abgesetzt und führten das Rennen an. Zeitweise gelang vier weiteren Athleten gar der Anschluss, so dass bei Rennhälfte noch mehr als ein Dutzend Fahrer für einen Podestplatz in Frage kamen. Einer von ihnen war Marco Aurelio Fontana aus Italien. Der WM-Siebte vom Januar 2011 zeigte ein engagiertes Rennen, attackierte mehrfach, vermochte aber nicht entscheidend Terrain zu gewinnen. Ebenfalls sehr aktiv fuhr Ralph Näf (Andwil). Der Weltklasse-Mountainbiker belohnte sich mit dem zweiten Schlussrang. Geschlagen wurde er nur von Francis Mourey. Der französische Weltranglisten-Fünfte bewies eine Klasse in der zweitletzten Runde eindrücklich. Im Aufstieg zum Chrüzberg attackierte er auf eine Weise, die keine Fragen aufkommen liess. Scheinbar spielend setzte er sich von seinen Begleitern ab, einzig Näf konnte einigermassen folgen und sich ebenfalls leicht absetzen. Die beiden ersten Plätze waren also vergeben. Und im Spurt um den letzten Podestplatz warf Pirmin Lang seine Endschnelligkeit in die Waagschale und schwang obenaus. „Das Rennen war sehr taktisch“, meinte Pirmin Lang nach der Zieleinfahrt. „Ich wusste, dass ich mit möglichst viel Kraftreserven in die Endausmarchung steigen musste. Das ist mir ziemlich gut gelungen und deshalb konnte ich mir auch den dritten Rang sichern. Langs jüngerer Bruder René zeigte ebenfalls eine starke Leistung und wurde am Ende wie vor Jahresfrist Neunter.

 

Frischknecht – ein Name verpflichtet

Einen prominenten Namen trägt der Sieger der Kategorie B  (Junioren, Amateure, Master): Andri Frischknecht (Feldbach) wies seine Kontrahenten bis zum Ende souverän in die Schranken und feierte nach 2009 (damals in der Kategorie C) seinen zweiten Sieg in Dagmersellen. Frischknecht siegte vor dem Franzosen Léo Vincent und Fabian Lienhard (Steinmaur). Michael Wechsler vom VC Pfaffnau-Roggliswil wurde 27.  In der Kategorie C feierte Johan Niklas Jacobs (Berg am Irchel) bereits seinen vierten Saisonsieg. Er distanzierte Patrick Müller (Uster) und Joël Grab (Ebmatingen) um zwölf respektive 19 Sekunden. In der Schülerkategorie feierte Nico Niemann (Egg) den Tagessieg. Durch seinen zweiten Platz in Dagmersellen verteidigte Reto Müller (Uster) allerdings die Führung im Schüler-Cup und entschied diesen zu seinen Gunsten. Bemerkenswerte Dritte in der Kategorie Schüler wurde Olivia Hottinger (Esslingen).

Den Auftakt zu den erneut tadellos abgelaufenen Rennen im Luzerner Wiggertal hatten die Frauen gemacht. Hier konnte sich Katrin Leumann (Riehen) als souveräne Siegerin feiern lassen. Nach zwei zweiten Plätzen 2010 und 2009 sicherte sich Leumann nach 2007 ihren zweiten Erfolg in Dagmersellen. Die ehemalige Mountainbike-Europameisterin gewann vor der Französin Marlene Morel-Petitgirard und Lise-Marie Henzelin aus Damphreux. Die 16-jährige Desirée Winterberg aus Roggliswil belegte Rang 14.

 

Die Riesenfete zum Abschluss

Einmal mehr lockte das Dagmerseller Radquer die Sport- und Partyfans in Scharen an. Denn nach den sportlichen Höchstleistungen auf der Rennstrecke ist das Dagmerseller Radquer noch lange nicht zu Ende. In der Chrüzmatthalle nahm die legendäre After-Race-Party ihren Lauf. Unterhalten vom Tschirgant-Duo aus Tirol feierten die Radquerfans bis tief in die Nacht hinein.

Dagmersellen hat auch im Jahr 2011 beste Reklame für den Radquersport in der Schweiz gemacht.

 

 

 

Als Profi im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

 

Lukas Winterberg aus Roggliswil packte Anfang September seine Chance. Für drei Monate reiste er in die USA und bestritt zahlreiche Radquerrennen. Neben drei Siegen erlebte der 23-Jährige auch schwierige Momente. Seit drei Wochen ist er zurück und will beim Heimrennen in Dagmersellen zeigen, was er drauf hat.

 

(pbi.) Am Anfang stand die Ernüchterung. Es war Mai und Lukas Winterberg hatte soeben erfahren, dass er die Aufnahmeprüfung für ein Sportstudium in Magglingen nicht bestanden hatte. Was mache ich jetzt?, habe er sich gefragt. Aber anstatt lange zu hadern und zu zaudern, entschloss sich Lukas Winterberg, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Er wusste, dass in den letzten Jahren schon mehrmals Schweizer Radquerfahrer für drei Monate in die USA gereist waren, um dort Rennen zu bestreiten. Genau das wollte Winterberg auch. Der Kontakt war rasch hergestellt und die Zusage erfolgte fast ebenso schnell. „Als ich meine Referenzen in Form der Resultate der letzten Jahre übermittelt hatte, erhielt ich sehr prompt positive Rückmeldung“, erinnert sich Lukas Winterberg. Das war Anfang Juni.

 

Auf Anhieb erfolgreich

Im Sommer absolvierte er das gewohnte Aufbauprogramm im Hinblick auf die Quersaison. Statt wie gewöhnlich Ende September die ersten Rennen in der Schweiz zu bestreiten, flog Winterberg bereits am 6. September in die USA, genauer gesagt nach Philadelphia. Seine erste Unterkunft in der Nähe der Grossstadt war aber alles andere als das Gelbe vom Ei. „Ich will mich nicht beklagen“, sagt Lukas Winterberg. „Es mangelte an nichts. Aber ich hatte eben auch nicht das Gefühl, dass ich unter diesen Umständen meine besten Leistungen bringen kann.“ Es habe sogar Phasen gegeben, in denen er sich überlegte, das Abenteuer abzubrechen und nach Hause zurück zu kehren. „Zum Glück habe ich das nicht gemacht“, sagt Winterberg lachend. Wenige Tage und eine glückliche Fügung später kam er bei einer Familie unter bei der auch Lukas Müller, ein anderer Schweizer Querfahrer, wohnte. Die Situation besserte sich und wenig später explodierte Lukas Winterberg förmlich auf dem Quervelo.

 

Drei unvergessliche Siege

Unmittelbar nach seinem Umzug gewann Winterberg am 24. September das Radquer von Whirlybird. „Das gab mir einen brutalen Schub“, sagt er. Auch die kommenden guten Resultate bei stark besetzten Rennen – unter anderen auch Schweizermeister Christian Heule bestritt mehrere Wettkämpfe in den USA – machten Winterberg Mut. Er genoss das Profidasein immer mehr. „Die ganze Organisation war zwar nicht wahnsinnig professionell“, relativiert er. „Aber wenn man sich voll und ganz aufs Velofahren konzentrieren kann, ist das schon ein Privileg.“ Im Oktober bremsten Winterberg einige Defekte auf dem Weg zu weiteren Topresultaten. Die Form aber stimmte und das bestätigte er Ende Oktober in Washington respektive Bridgeton (New Jersey). Zwei Sieg und ein zweiter Platz fuhr Winterberg hinaus, dazu ein dritter und ein fünfter Rang in Northampton.

 

Ein Schuss in den Rücken

Doch die Erfolgsgeschichte dauerte nur bis zum 12. November. Bei einem Rennen in Louisville zwickte es Lukas Winterberg brutal in den Rücken. An weitere Rennen war bis zum Rückflug am 4. Dezember nicht zu denken. „Das war hart“, sagt er. „Aber es hätte keinen Sinn gemacht, etwas zu erzwingen.“ Statt Rennen zu bestreiten, reiste er noch ein bisschen herum, sah sich die Städte New York, Washington und Philadelphia an. Dazu widmete er sich so gut das fern der Heimat eben ging, seinem lädierten Rücken.

Die Probleme mit dem Rücken hat Lukas Winterberg mittlerweile im Griff. Mit seinem ersten Auftritt zurück in der Schweiz, am 10. Dezember in Rennaz, konnte er aber nicht zufrieden sein. „Schlechte Beine“, wie er selbst sagt und noch dazu ein Kettenriss waren verantwortlich dafür, dass er nur Rang 16 erreichte. Wenige Tage vor seinem Heimrennen in Dagmersellen weiss Winterberg also nicht genau, wo er steht.

 

„Dagmersellen ist immer ein Highlight“

„Ein Top-Ten-Platz sollte es schon werden“, sagt er mit Blick auf das Rennen am Chrüzberg am kommenden Montag selbstbewusst. „Ich will vor den vielen Fans, die uns einheimische Fahrer immer so fantastisch anfeuern, unbedingt ein gutes Rennen zeigen und meine Resultate aus Übersee bestätigen.“ Zusammen mit der SM (diese Saison am 8. Januar in Beromünster) bezeichnet Lukas Winterberg das Radquer von Dagmersellen als absoluten Saisonhöhepunkt. „Dagmersellen ist für alle Fahrer, die in der Schweiz fahren ein Highlight. Für uns Athleten aus der unmittelbaren Umgebung gilt das erst recht.“ Und nichts ist für die Lokalmatadoren schöner, als ausgerechnet beim Heimrennen, vor Verwandten, Bekannten und Freunden ein tolles Rennen abzuliefern. Dass er es drauf hat, hat Lukas Winterberg diese Saison auf der anderen Seite des Atlantiks mehrmals eindrücklich bewiesen. Es wäre ihm und den anderen Fahrern aus der Region zu gönnen, wenn sie ihre beste Leistung auch am Montag beim Internationalen Radquer von Dagmersellen abrufen könnten.

 

> nach oben

 

 

 

Francis Mourey plant den fünften Streich

 

Gewinnt der grosse Favorit Francis Mourey aus Frankreich auch heuer und damit zum vierten Mal en suite das Radquer von Dagmersellen, übernimmt er in der ewigen Siegerliste den alleinigen zweiten Platz. Die Liste der Herausforderer, die dies verhindern wollen, ist aber umfangreich.

 

 

pbi – Das Internationale Radquer von Dagmersellen ist so etwas wie das Radquer der Seriensieger. Albert Zweifel startete den Reigen der prominenten Mehrfach-Sieger am Chrüzberg 1975. Auch Grössen wie Beat Breu (vier Siege), Dieter Runkel (vier), Thomas Frischknecht (vier) oder Beat Wabel (drei) siegten gleich mehrfach In den letzten Jahren. Zweifels sieben Siege sind allerdings unerreicht. Bisher zumindest. In den letzten Jahren nämlich hat sich ein Franzose angeschickt, zumindest an dieser Marke zu kratzen. 2006 siegte ein gewisser Francis Mourey zum ersten Mal in Dagmersellen. Nach einem Jahr Abwesenheit (Sieger 2007: Alexandre Moos) hiess der Triumphator am Chrüzbergquer seit 2008 dreimal in Folge Francis Mourey. Und auch bei der 36. Austragung des Internationalen Radquers von Dagmersellen wird der Sieg nur über Francis Mourey führen.

 

Mehrere aussichtsreicher Herausforderer

Mourey ist allein aufgrund seiner Platzierung in der Weltrangliste (aktuell Rang 5) der klare Favorit fürs Quer in Dagmersellen. Die meisten der übrigen Weltklasse-Querfahrer bestreiten ebenfalls am Stephanstag das Weltcup-Rennen im belgischen Heusden-Zolder. Trotzdem wird sich Mourey hüten, seine Gegnerschaft in Dagmersellen zu unterschätzen. Zum einen hat er 2009 selbst erlebt, wie schnell ein Defekt ein Rennen zerstören kann. Nur dank einer imposanten Aufholjagd und angetrieben vom begeisterten Dagmerseller Publikum konnte sich Mourey vor zwei Jahren doch noch durchsetzen und einen umjubelten Sieg feiern. Andererseits warten gleich mehrere Herausforderer auf eine Schwäche des Franzosen. Spezielle Erwähnung verdient der Italiener Marco Aurelio Fontana, seines Zeichen WM-Siebter im Januar 2011 und im letzten Jahr Vierter in Dagmersellen. Aber auch die Schweizer Quercracks wollen dem grossen Favoriten das Leben so schwer wie möglich machen. Lukas Flückiger (2010 Zweiter, 2009/2008 Dritter) und Florian Vogel (2009/2008 Zweiter) kennen das Gefühl, in Dagmersellen aufs Podium zu steigen schon bestens und würden nur zu gerne den Sprung aufs oberste Treppchen realisieren. Aber auch Fahrern wie Ralph Näf oder Mathias Flückiger ist ein Topresultat zu zutrauen.

 

Lokalmatadoren wollen sich zeigen

Traditionell wollen sich auch die Fahrer aus der Region bei ihrem Heimrennen von der besten Seite zeigen. In den letzten Jahren sorgte jeweils Pirmin Lang für die Topresultate (2010: Fünfter, 2009: Sechster, 2008: Fünfter, 2007: Dritter, 2006: Fünfter) aus regionaler Sicht. Aber auch sein jüngerer Bruder René und die Gebrüder Lukas und Michael Winterberg aus Roggliswil werden vor den eigenen Fans besonders Gas geben wollen.

Bei den Frauen fehlen mit Jasmin Achermann und Sabrina Maurer die gegenwärtig wohl stärksten Schweizer Querfahrerinnen. Auch sie starten beim Weltcup-Rennen in Belgien. Die grössten Siegesanwärterinnen dürften deshalb Kathrin Leumann (Siegerin 2007, Zweite 2009 und 2010) und Lise-Marie Henzelin (heuer Siegerin in Uster) sein.

Aber nicht nur in den Kategorien Elite Herren und Damen werden die Zuschauer in Dagmersellen in den Genuss von attraktivem Radquersport kommen. Ein Sieg – sei es in der Kategorie B (Amateure, Junioren, Master) oder in der Kategorie C (Anfänger) am Dagmerseller Chrüzberg macht sich in jedem Palmarès gut. In der Kategorie B geht mit Andri (17) bereits die dritte Generation Frischknecht an den Start. Während Andris Vater Thomas das Dagmerseller Radquer insgesamt sechs Mal (viermal bei der Elite, zweimal Kategorie B) gewinnen konnte, reichte es seinem Grossvater Peter nie ganz zum Triumph (dreimal Zweiter hinter Zweifel). Ein Blick ins Goldene Buch des Internationalen Radquers von Dagmersellen zeigt, dass so illustre Athleten wie Pascal Richard, Dieter Runkel oder Roman Kreuziger (CZE) in den Nachwuchskategorien siegten und später eine grosse Karriere hinlegten. Unvergessen bleiben ausserdem die umjubelten Siege in der Kategorie B der einheimischen Fahrer Patrick Blum (1993), Pirmin Lang (2002) und Lukas Winterberg (2006).

 

Grosses Drum und Dran

Um 11 Uhr starten die sportlichen Highlights am Stephanstag mit den Rennen der Anfänger und der Damen. Um 14.45 Uhr schliesslich starten die Elitefahrer zu ihrem Rennen vor hoffentlich wieder zahlreichen und lautstarken Zuschauern. Es ist der Mix aus Sport und Geselligkeit, welcher das Internationale Radquer von Dagmersellen in den letzten Jahren zu einem Event werden liess. Schon während den Rennen können sich die Zuschauer unmittelbar an der Strecke verpflegen oder können die Wärme der Alphütte aufsuchen. So richtig geht die Post aber nach 16 Uhr ab. Das Tschirgant-Duo aus dem Tirol wird die Halle einmal mehr zum Kochen bringen und für einen gewohnt rauschenden Abschluss des Dagmerseller Radquers sorgen. Ein Besuch am Chrüzberg am Stephanstag lohnt sich für partyliebende Sportfans also genauso wie für sportinteressierte Partytiger und alle anderen auch.

 

*******************************************************************************

7 Siege

4 Siege


 

3 Siege

2 Siege

 

1 Sieg

Albert Zweifel (1975, 1977, 1978, 1979, 1980, 1981, 1982)

Francis Mourey, FRA (2006, 2008, 2009, 2010)
Thomas Frischknecht (1992, 1994, 2001, 2002
Dieter Runkel (1992 (SM), 1995, 1996, 1997)
Beat Breu (1986, 1987, 1988, 1993)

Beat Wabel (1989, 1990, 1999)

Pascal Richard (1984, 1985)
Pieter van Santvliet BEL (1998, 2003)
Jiri Pospisil CZE (2000, 2004)

Roland Liboton BEL 1983)
Christian Heule (2006 / SM)
Alexandre Moos (2007)

*********************************************************************************

> nach oben

 

 

 

Ehrenstarter

Chrampfer“ und gute Seele am Streckenrand

 

Beim Radquer in Dagmersellen stehen für gewöhnlich die Athletinnen und Athleten im Mittelpunkt. Damit diese aber ihre beste Leistung abrufen können, sind sie auf Betreuer angewiesen, die vor, während und nach dem Rennen dafür sorgen, dass sie sich voll und ganz auf ihr Rennen konzentrieren können. Seit mehr als 20 Jahren zählt Rolf Kleeb zu diesen treuen Helfern. Heuer wird er erstmals seit langem das Dagmerseller Radquer aus  einer anderen Perspektive erleben. Statt mit dem Fahrrad in der Hand in der Wechselzone zu stehen, amtet der 54-Jährige als Ehrenstarter.

 

pbi – Als Els Gassmann vom OK des Dagmerseller Radquers ihn als Ehrenstarter für die 36. Austragung anfragte, sei die Freude bei ihm riesig gewesen, sagt Rolf Kleeb. Trotzdem zögerte er mit der Zusage. Schliesslich begleitet er schon seit mehreren Jahren die Gebrüder Michael und Lukas Winterberg bei ihren Renneinsätzen. „Ich konnte doch nicht zusagen, bevor wir nicht geklärt hatten, wer die beiden beim Rennen in Dagmersellen an meiner Stelle betreut“, sagt Rolf Kleeb. Weil Els Gassmann genau wusste, wie pflichtbewusst Rolf Kleeb seiner Arbeit nachgeht, hatte sie vorgesorgt. Den Winterberg-Brothers erklärte sie, dass das OK Rolf Kleeb gerne als Ehrenstarter engagieren würde. Die Antwort der beiden war klar: Sie fänden das eine tolle Sache und würden sich für das Quer am Stephanstag selbstverständlich anders organisieren. „Wir sind sehr froh, auf einen erfahrenen Mann wie Rolf zählen zu können. Er ist als Mechaniker und Betreuer super und auch sonst ein lustiger Typ“, sagt Michael Winterberg über Rolf Kleeb.

 

Über Jahre hinweg ein gefragter Mann

Wie aber wird man Betreuer eines oder mehreren Radquerfahrern? Rolf Kleeb erzählt: „Ich bin schon lange Mitglied beim VC Pfaffnau-Roggliswil und habe früh damit begonnen zusammen mit anderen Leuten die Velos unserer Fahrer auf Vordermann zu bringen. So lernt man viele Leute und natürlich auch die Rennfahrer selbst kennen. Vor vielen Jahren – genau weiss ich es nicht mehr – hat mich Beat Blum gefragt, ob es mich interessieren würde ihn und seinem Bruder Patrick etwas intensiver zu betreuen. Für diese Idee war ich sofort Feuer und Flamme.“ So begann vor gut 20 Jahren, was heute noch Rolf Kleebs grosse Leidenschaft ist. Er begleitete die Gebrüder Blum bei Strassen- wie bei Querrennen, fast jedes Wochenende, jahrein, jahraus. Als sich die Karriere der Blum-Brothers dem Ende entgegen neigte, dauerte es nicht lange und Rolf Kleebs Dienste waren erneut gefragt. Pirmin und René Lang fragten an, ob Kleeb auch für sie ihre Velos bereitmachen und während den Querrennen waschen würde. Ehrensache für Rolf Kleeb. Der Quervirus hatte ihn längst erwischt. Und nach den Gebrüdern Lang betreut er nun die Gebrüder Winterberg. Geht das gut, immer alleine für zwei Fahrer zu sorgen? Rolf Kleeb wiegelt ab. „Ich war nie allein. Gerade der Quersport ist eine sehr familiäre Angelegenheit. Sowohl bei Blums, als auch bei Langs und heute bei Winterbergs ginge es ohne die Unterstützung von Familienangehörigen, Verwandten und Bekannten nicht.“ In letzter Zeit wird Rolf Kleeb am tragkräftigsten von Yvonne Winterberg, der Mutter von Michael und Lukas aber auch von deren jüngerem Bruder André unterstützt.

 

„Sämtliche Materialfragen sind meine Aufgabe“

Die Aufgaben für einen Betreuer wie Rolf Kleeb sind vielfältig. „Ich bin verantwortlich, dass vor einem Rennen mit dem Material alles stimmt“, erklärt er. Konkret heisst das, am Morgen die Räder fürs Einfahren bereit zu machen. Wenn die Fahrer zurückkommen, wird entschieden, mit wieviel Druck Rolf Kleeb die Räder pumpen soll. Anschliessend werden die Rennmaschinen gewaschen und geputzt und schliesslich auf eine Rolle gestellt, wo sich die Fahrer unmittelbar vor dem Rennen warm halten. Es gilt aber auch die Übersetzungen richtig vorzubereiten. „Gerade in Dagmersellen montieren wir der harten Steigung wegen eher kleine Übersetzungen und nehmen die leichtesten Velos, die wir haben“, erklärt Rolf Kleeb. Wenn das Rennen läuft, ist Rolf Kleebs Platz in der Wechselzone. Gerade wenn das Terrain tief ist und der Dreck nur so spritzt, ist es von enormer Wichtigkeit, stets ein sauberes und voll funktionstüchtiges Velo zu haben. „Zwischen durch kann es dann schon hektisch werden“, sagt Rolf Kleeb. Schliesslich wollen alle Betreuer ihre Velos möglichst schnell gereinigt haben. „Aber mit der Zeit lässt man sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen.“ Und notfalls müsse man halt auch bereit sein, sich durchzusetzen, damit man bei der Einfahrt seines Fahrers in die Wechselzone einen idealen Platz habe. „Insgesamt ist das Verhältnis unter den Betreuern aber sehr gut“, sagt Rolf Kleeb. „Die meisten wissen, wie sie sich zu verhalten haben.“

 

Radbegeisterung durch und durch

Rolf Kleebs Lehrmeister war der ehemalige Radquer-Nationaltrainer der Schweiz, Carlo Lafranchi. „Von ihm habe ich viele Tipps erhalten“, sagt Kleeb. Am wichtigsten sei natürlich die reibungslose Übergabe des Velos in der Wechselzone. „Wenn hier Zeit verloren geht, ist das sehr ärgerlich“, sagt Rolf Kleeb. Es gelte ruhig zu bleiben und sich voll auf die Aufgabe zu konzentrieren. „Wenn Lukas oder Michael in die Wechselzone kommen, brauche ich sie nicht noch anzuschreien. Sie wissen, dass ich voll mit ihnen mitfiebere.“ Auch wenn die Winterberg-Brüder im Ziel angekommen sind, ist der Arbeitseinsatz von Rolf Kleeb noch nicht zu Ende. Dann steht der Schlussputz an, die sensiblen Teile werden geölt und ab geht’s mit dem Velo in den Bus. Traditionell ist Rolf Kleeb am Abend jedes Renntages zum Znacht bei Familie Winterberg eingeladen. Dann wird auch immer kurz „Manöverkritik“ gehalten. Was lief gut, was könnte man das nächste Mal verbessern? „Schliesslich freuen wir uns alle, wenn ein gutes Resultat rausschaut“, sagt Kleeb. Abgesehen vom Nachtessen, verlangt Rolf Kleeb keinen Lohn für seine Arbeit. „Ich mache das, weil es mir auch nach unzähligen Rennen im In- und Ausland immer noch Spass macht.“ Und ob er das Velo, so wie vor vielen Jahren einmal, dem holländischen Superstar Adri van der Poel reicht, oder den Brüdern Winterberg, macht für den gelernten Schreiner keinen Unterschied. „Ich versuche meine Arbeit immer so gewissenhaft wie möglich zu machen.“

Am Stefanstag darf sich Rolf Kleeb ausnahmsweise an einem Radquer einmal ganz anderen Dingen widmen. Als Ehrenstarter wird er die Fahrerinnen und Fahrer aller Kategorien mittels Pistolenschuss auf die Strecke schicken. Darauf freut sich Rolf Kleeb sehr. Er hofft auf schönes Wetter, unfallfreie und spannende Rennen und darauf, „während des ganzen Tages ein bisschen mehr Zeit für einen Schwatz mit Bekannten zu haben.“

 

> nach oben

 

 

 

Die Vorfreude steigt schon wieder

 

Die Vorbereitungen für das 36. Internationale Radquer in Dagmersellen sind längst schon wieder angelaufen. Das eingespielte OK unter der Leitung von Wolfgang Kristan bemüht sich nach Kräften, um Sportlerinnen und Sportlern sowie allen Zuschauern einen unvergesslichen Anlass bieten zu können.

                                                                                     

pbi – Im Luzerner Wiggertal und den umliegenden Gebieten weiss es fast jedes Kind: Nach den beiden besinnlichen Weihnachtsfeiertagen wird am Stephanstag in Dagmersellen Spektakel geboten. Was um 11 Uhr vormittags mit dem Start des Rennens der Damen und Anfänger seinen Auftakt findet, endet für viele erst spät abends oder gar früh morgens. Die Rede ist vom internationalen Radquer am Chrüzberg in Dagmersellen. Wie kaum ein anderer Event in der Gegend verbindet das Radquer sportliche Höchstleistungen mit gesellschaftlicher Unterhaltung. Viele kommen wegen den beeindruckenden Leistungen der Quer-Cracks, viele der rauschenden After-Race-Party wegen. Die meisten aber lassen sich beides nicht entgehen.

 

„Alle wissen, wie der Karren läuft“

Verantwortlich für die Organisation des Grossanlasses, der in den vergangenen Jahren regelmässig rund 3000 Zuschauer anzog, ist der Veloclub Dagmersellen. Unter der Leitung von Wolfgang Kristan arbeitet ein 17-köpfiges OK intensiv an den Vorbereitungen des Internationalen Radquers. „Das relativ grosse OK hat den Vorteil, dass die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden kann“, sagt OK-Präsident Kristan. „Und obwohl wir viele Leute sind, laufen unsere Sitzungen sehr speditiv ab. Weil die meisten schon lange dabei sind, wissen alle wie der Karren läuft.“ Gewichtigste Änderung im OK war der Wechsel im Finanzressort. Hugo Bossert – jahrelang Personalchef des Radquers – übernahm den Posten von Otto Muff. Zudem hält Karin Kurmann (Sponsoring) neu Einsitz im OK.

 

Ein bekanntes Aushängeschild

In sportlicher Hinsicht dürften beim Elite-Rennen (Start: 14.45 Uhr) wiederum sämtliche Augen auf den französischen Ausnahmekönner Francis Mourey gerichtet sein. Der 32-Jährige belegt in der aktuellen Weltrangliste den fünften Platz und konnte sich in Dagmersellen schon vier Mal als Sieger feiern lassen. Obwohl auch heuer am selben Tag im belgischen Heusden-Zolder ein Weltcup-Rennen stattfindet, hält Francis Mourey Dagmersellen die Treue und hat seinen Start zugesichert. Moureys ärgste Herausforderer dürften die Schweizer Weltklassebiker Lukas Flückiger und Florian Vogel sein. Wie erwähnt starten die Rennen um 11 Uhr vormittags (Damen/Anfänger). Um 12.45 Uhr nehmen die Schüler ihren Wettkampf auf und um 13.45 Uhr steigt das Rennen der Junioren, Amateure und Master (Kategorie B). Um 14.45 Uhr schliesslich wird Ehrenstarter Rolf Kleeb aus Pfaffnau die Elitefahrer, wie alle anderen Kategorien zuvor, mit dem Startschuss auf die Strecke schicken.

 

Und ein grosser Abwesender

Alles beim Alten, könnte man mit Blick auf die 36. Austragung des Internationalen Radquers von Dagmersellen also denken. Keineswegs. Auch wenn in organisa-torischer Hinsicht die grossen Neuerungen für Fahrer und Fans ausbleiben, so wird die Abwesenheit des verstorbenen Kult-Speakers Hans Jucker natürlich zu hören und vor allem zu spüren sein. Während den letzten 26 Jahren hatte der beliebte und umgängliche Sportmoderator die Rennen am Chrüzberg kommentiert und mitgeprägt. In der Person von Christian Rocha gelang es den Organisatoren frühzeitig, den wichtigen Posten des Speakers mit einem absoluten Fachmann zu besetzen.

Das Dagmerseller Radquer verspricht auch im Jahr 2011 zahlreiche Höhepunkte. Sowohl auf der Radstrecke als auch an der grossen Radquer-Sause mit dem Tschirgant-Duo aus dem Tirol im Anschluss an die Rennen.

 

> nach oben